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Rezension || Runa | Vera Buck

Runa


Titel: Runa
Autorin: Vera Buck

Reihe:  -
Seitenanzahl: 608
Erscheinungsdatum: 24.08.2015
Verlag: Limes Verlag

Genre: Historischer Roman, Medizinthriller, Erwachsenenbuch
Themen: Wahn, Geisteskrankheit, Psychiatrie, Paris
Leseprobe

gelesen: Oktober 2015 als Rezensionsexemplar (gebunden)






Runa ist der Debütroman von Vera Buck, einer jungen Autorin, die Scriptwriting studiert hat. Angesprochen hat mich bei diesem Buch nicht nur das Cover, sondern auch das ungewöhnliche Thema.



Klappentext

"Man kam nicht her, um zu genesen, sondern um zu sterben."
Paris 1884. In der neurologischen Abteilung der Salpêtrière-Klinik führt Dr. Charcot Experimente mit hysterischen Patientinnen durch. Seine Hypnosevorführungen locken Besucher aus ganz Europa an; wie ein Magier lässt der Nervenarzt die Frauen vor seinem Publikum tanzen. Dann aber wird Runa in die Anstalt eingeliefert, ein kleines Mädchen, das all seinen Behandlungsmethoden trotzt. Jori Hell, ein Schweizer Medizinstudent, wittert seine Chance, an den ersehnten Doktortitel zu gelangen, und schlägt das bis dahin Undenkbare vor. Als erster Mediziner will er den Wahnsinn aus dem Gehirn einer Patientin fortschneiden. Was er nicht ahnt: Runa hat mysteriöse Botschaften in der ganzen Stadt hinterlassen, auf die auch andere längst aufmerksam geworden sind. Und sie kennt Joris dunkelstes Geheimnis …


Lieblingszitat

S. 144/145

Meine Meinung

Idee
Runa spielt im Jahre 1884 in Paris und beschreibt die Geschehnisse weniger Monate mit einigen Rückblicken in die Vergangenheit. Es ist eine Geschichte über die Anfänge der Psychatrie und den schrecklichen Zuständen von damals. Es ist ein Buch über die Moral von Wissenschaft und Medizin und dabei erschreckend genau. Es ist nicht nur ein Medizinthriller, sondern ein Buch zum Gruseln, das eine gute Mischung zwischen gut recherchierten historischen Ereignissen und Personen und Fiktion darstellt.
Charaktere
Das Buch handelt von mehreren Personen, hauptsächlich jedoch von Johann Richard Hell, kurz Jori, einem Medizinstudenten aus der Schweiz, der in Paris an der Salpêtrière, einer Klinik für hysterische Frauen, seinen Doktor machen möchte. Die Klinik wird von dem berühmten Dr. Charcot geleitet, einem Neurologe, der von Jori zu Beginn angehimmelt wird. In seiner berühmten Dienstagsvorlesung stellt dieser Doktor hysterische Patientinnen zur schau und präsentiert sie wie Zirkusattraktionen der Öffentlichkeit. Joris Freund Paul aus der Schweiz besucht ihn gegen Beginn der Geschichte in Paris. Paul hat eine ältere Schwester, Pauline, die es Jori angetan hat.

Runa ist ein kleines, junges Mädchen, das der Inhalt von Joris Doktorarbeit werden soll. Denn er wagt den Versuch, als erster den Wahnsinn einer Patientin aus deren Gehirn zu schneiden. In einer riskanten Operation möchte er das Mädchen heilen.

Zudem lernt man Monsieur Lecoq kennen, der der Meinung ist, Menschen alleine an ihrem Äußeren anzusehen, ob sie Verbrecher sind oder nicht. Und Jori sieht seiner Meinung nach wie ein Verbrecher aus.

Außerdem gibt es weitere Figuren, wie z.B. den fünfzehnjährigen Maxime und den zehnjährigen Frédéric mit seiner siebenjährigen Schwester Isabelle, die alle früher oder später im Buch Joris Geschichte kreuzen.
Schreibstil
Der Schreibstil ist schön und liest sich angenehm flüssig. Verschiedene Abschnitte werden in verschiedenen Perspektiven erzählt, teils im personalen Erzählstil und teils aus der Ego-Perspektive, was eine schöne Mischung war. Das Buch gliedert sich in Epilog, sechs große Teile und Epilog. Dabei sind die Teile mit interessanten Zitaten von Wissenschaftlern überschrieben. Richtige Kapitel existieren nicht, allerdings sind die vielen Perspektivwechsel duch ein kleines Zeichen zwischen den Absätzen gut sichtbar getrennt. Dabei wird zwischen dem aktuellen Geschehen und Rückblicken gewechselt. Besonders gut haben mir die Einstreuungen verschiedener historischer Ereignisse gefallen, die vielleicht nicht von großer Bedeutung sind, aber das ganze einfach echter machen und einen schmunzeln lassen. So zum Beispiel: "Jori hätte Schokolade mitbringen sollen. Es gab da eine neue von einem Apothekerssohn aus Bern, irgendeinem Herrn Lundt oder Lindt. Schokolade hätte ihr gefallen." (S. 256) Wusstet ihr, dass Rodolphe Lindt wirklich der Sohn eines Apothekersohns in Bern war und genau in der Zeit, in der das Buch spielt, seine erste Schokolade hergestellt hat?
Gestaltung
Das Cover gefällt mir außerordentlich gut und hat auch mein Interesse geweckt. Ich finde es passend zur Thematik und genau richtig gewählt. Etwas störend ist vielleicht der Titel, denn ich habe auf den ersten Blick nicht gewusst, wie das Buch heißt. Andererseits passt es auch zu Runa, die alles andere als normal ist Die Qualität des gebundenen Buches hat mir sehr gut gefallen. Schön ist, dass es ein extra Lesebändchen gib. Zudem ist die Schrift angenehm zu lesen und von der Größe genau richtig.
Bewertung
Runa ist ein Buch für Fans von gut recherchierten historischen Medizinromanen mit gruseligen Elementen. Im Anhang finden sich sogar die verwendeten wissenschaftlichen Quellen. Ich liebe es einfach, wenn sich Autoren die Mühe geben, nicht nur ein stilistisch gutes Buch zu schreiben, sondern auch die Geschehnisse realistisch und gut recherchiert darstellen. So wird Geschichte lebendig und fühlbar. Die ersten hundertsechzig Seiten haben mich leider nicht richtig gefesselt. Sie waren interessant zu lesen und eine gute Einführung in die Charaktere, aber richtig spannend und fesselnd wurde es ab der Hälfte. Unerwartete Wendungen und die "Auflösung" der schaurigen Hintergründe aller Geschehnisse haben mich das Buch gestern nicht aus der Hand legen lassen und so habe ich die Hälfte von Runa an einem Tag gelesen.
Meine Bewertung:
4/5 ♥♥♥♥

Für Interessierte gibt es auf Youtube noch ein Interview mit Vera Buck über Runa.


Vielen Dank an den Limes-Verlag für das Rezensionsexemplar!