Black Blade - Die helle Flamme der Magie



Titel: Black Blade - Die helle Flamme der Magie
Originaltitel: Bright Blaze of Magic
Autor: Jennifer Estep

Reihe: Band 3 der Trilogie
Seitenanzahl: 336
Erschienen: 04.10.2016
Übersetzung: Vanessa Lamatsch
Verlag: ivi

Genre: Fantasy, Jugendbuch
Themen: Parallelwelten

gelesen: November 2016 als Rezensionsexemplar

Achtung: Band 3 einer Reihe. Zur Rezension des ersten Bandes geht es hier.

Klappentext

Aller guten Dinge sind drei - das Finale der »Black Blade«-Trilogie!
Als Diebin hat Lila Merriweather eine Begabung für drei Dinge: Erstens, sich in den Schatten zu verbergen. Zweitens, überall unbemerkt einzubrechen. Und drittens, Geheimnisse zu lüften. Diese Talente kommen ihr auch bei ihrer Arbeit als Bodyguard der Sinclair-Familie zugute - immerhin eine der mächtigsten magischen Mafiafamilien in Cloudburst Falls. Jeder weiß, dass Victor Draconi sie und die anderen Familien einkassieren will - und vorhat, jeden einzelnen Sinclair umzubringen. Doch was niemand weiß, ist, dass Lila ihm auf den Fersen ist. Auf keinen Fall wird sie zulassen, dass der Mann, der ihre Mutter getötet hat, weiteren Menschen, die ihr etwas bedeuten, Schaden zufügt. Nicht so lange es noch Häuser gibt, in die sie einbrechen kann, nicht so lange es noch Dinge gibt, die sie stehlen muss und besonders nicht so lange Devon Sinclair an ihrer Seite kämpft ...


Meine Meinung

Idee
Die Geschichte um Lila Merriweather als Leibwächterin von Devon ist noch nicht zu Ende, denn die Sinclairs, die mittlerweile auch zu ihrer Familie geworden sind, und die anderen Familien der Stadt sind immer noch in Gefahr. Victor Draconi, das Oberhaupt einer der mächtigsten Familien von Cloudburst Falls hat den heimlichen Plan, sie anzugreifen und zu vernichten. Lila weiß davon und versucht das zu verhindern.
Charaktere
Bei diesem Band ist mir besonders aufgefallen, wie toll es doch ist, eine weibliche, starke Protagonistin zu haben. Lila ist mir immer mehr ans Herz gewachsen, genauso wie mir die gesamte Sinclair-Familie immer sympathischer wird. Auch Oscar, der Pixie, der für Lila zuständig ist, möchte man am liebsten persönlich kennen lernen.
Umsetzung
Wie auch bei den Vorgängern ist es mir bei diesem Band nicht schwer gefallen, wieder in die Geschichte rein zu finden, da man als Leser sehr gut über die Handlung der letzten beiden Bände "nebenbei" informiert wird. Auch was die Spannungsbögen und die Überraschungsmomente betrifft, knüpft der dritte Band an die Reihe nahtlos an, wodurch das lesen wirklich Spaß gemacht hat. Einige Stellen haben es wirklich geschafft, mich zu berühren. Hätte ich zu dem Zeitpunkt nicht in der Bahn gesessen, wäre vielleicht die ein oder andere Träne gekommen. Und genau deshalb war der Band sogar noch etwas besser als es die ersten beiden sowieso schon waren.
Bewertung
Fiese Gegner, viel Spannung & große Emotionen - eine klare Leseempfehlung für diesen grandiosen Abschluss der Trilogie von mir!
Meine Bewertung:
5/5 ♥♥♥♥

Die Reihe



Amerikanische Cover

Die englischsprachigen Bände sind im Kensington-Verlag erschienen.


Vielen Dank an ivi für das Rezensionsexemplar!

Gefangen zwischen den Welten



Titel: Gefangen zwischen den Welten
Originaltitel: The Secret Fire
Autor: Sara Oliver

Reihe: Band 1 der Welten-Trilogie
Seitenanzahl: 416
Erschienen: 24.08.2016
Verlag: Ravensburger

Genre: Science-Fiction, Thriller, Jugendbuch
Themen: Parallelwelten

gelesen: Oktober 2016 


Klappentext

Ve kann es kaum glauben: Sie ist tatsächlich in eine andere Welt gereist - und steht ihrer Doppelgängerin gegenüber. Obwohl die Mädchen ein und dieselbe Person sind, könnten ihre Leben kaum unterschiedlicher sein ...

Für Fans von


Meine Meinung

Meine Meinung
Das Cover ist ein totaler Hingucker und der Grund, warum ich auf der Frankfurter Buchmesse am stressigen Messesamstag während einer kleinen Verschnaufpause in das Buch rein gelesen habe. Ich war mir zuerst nicht sicher, ob es etwas für mich ist. Da mit dem Slogan Auftakt einer romantischen Parallelwelt-Trilogie beworben wird. Parallelwelten klingen eigentlich ganz interessant, können aber auch schnell langweilig werden, vor allem wenn es "nur" eine Romantikgeschichte ist. Dafür konnte das Buch mich wirklich überraschen, denn meiner Meinung nach handelt es sich eher um einen Thriller, denn die romantische Liebesgeschichte ist eher schmückendes Seitenthema. Aber worum geht es eigentlich? Ves Eltern leben getrennt. Während ihre Mutter mit ihr um die Welt reist, nämlich von einem Arbeitsplatz zum nächsten, ist ihr Vater ein Wissenschaftler, der sich vor einigen Jahren in seine eigene Welt aus Formeln und Berechnungen zurück gezogen hat. In den Ferien soll sie nun ihren Vater besuchen, aber als sie an seinem neuen Wohnort ankommt, muss sie feststellen, dass er seit einigen Tagen verschwunden ist, zusammen mit seltsamen Nachrichten. Ve findet dann heraus, dass ihr Vater an Parallelwelten geforscht hat und eine Möglichkeit gefunden hat, mit der man in eine Parallelwelt reisen kann. Dabei fand ich besonders gut, dass hier das Konzept von Parallelwelten einfach erklärt wurde. Ve reist in diese Parallelwelt und trifft dort auf ihr eigenes, aber doch ganz anderes Ich und lernt eine andere Version ihres Lebens kennen - sozusagen ein was wäre wenn. Das Geheimnis um das mysteriöse Verschwinden ihres Vaters bleibt aber und die Spuren führen zu dem mächtigen Konzern TRADE, der in der Parallelwelt für viel Böses verantwortlich ist.
Mir hat die Geschichte besonders gut gefallen, weil es genau die richtige Mischung hatte. Etwas Science-Fiction, etwas Teenagerprobleme, viel Spannung und etwas Erste Liebe. An einer Stelle ist mir besonders negativ aufgefallen, dass die Lösung des "'Rätsels" doch so offensichtlich war (bezüglich des Märchenbuchs...), aber es Seiten gedauert hat, bis Ve darauf gekommen ist. An anderen Stellen konnte mich das Buch aber wirklich überraschen - Wendungen, die ich nicht geahnt hätte.
Bewertung
Kein Liebesroman, aber dafür voller Spannung!
Meine Bewertung:
4+/5 ♥♥♥♥
Über den zweiten und dritten Band konnte ich bisher leider noch nichts heraus finden.

Das Kirchenhasser-Brevier



Titel: Das Kirchenhasser-Brevier - Ein verlorener Sohn rechnet ab
Autor: Ulli Schauen

Seitenanzahl: 242
Erschienen: April 2010
Verlag: Heyne

Genre: Sachbuch
Themen: katholische und evangelische Kirche, Moral, Kritik

gelesen: Oktober 2016 als Rezensionsexemplar (eBook)






Klappentext

Gott, was machen Deine Diener?
Die Kirchen haben die Moral gepachtet – fühlen sich aber nicht daran gebunden. Die katholische Kirche verkündet den Vorrang des Lebens – und nimmt Aids-Tote in Kauf, wenn sie Kondome verbietet. Die evangelische Kirche predigt Erbarmen – und beteiligt sich an der Abschiebung von Ausländern. Vom Kindergarten über die Seelsorge bis zur Entwicklungshilfe – Anspruch und Wirklichkeit klaffen weit auseinander. Ulli Schauen, Spross einer Pfarrersfamilie, deckt auf, was die Kirchen gern verbergen würden. Und sagt, warum sie so viel besser sein könnten.
Ein Bekenntnisbuch für Gläubige und Ungläubige.

Ich habe lange überlegt, wie ich dieses Buch rezensiere und ob ich es überhaupt rezensiere. Ich habe überlegt, ob ich mich trauen soll, diesen Beitrag zu veröffentlichen, ja, ich habe sogar etwas Angst davor. Wie werden die Reaktionen sein? Gibt es böse Kommentare, werde ich beleidigt werden? Dieses Buch ist das erste auf diesem Blog, das keine fiktive Handlung enthält, sondern eine ganz reale gesellschaftliche Debatte behandelt. Ich habe bisher keine guten Erfahrungen mit Kritik an der Kirche in meinem persönlichen Umfeld gehabt. Ja, Kritik oder Zweifel sind unerwünscht und werden bekämpft. Ich bin auf Wände voller Unverständnis, Weghören und Ignoranz geprallt. Ich habe Argumente hervor gebracht, aber es wird nicht hingehört oder wenn, dann wird aus dem neuen Wissen nichts gemacht. Ich habe eines aus meiner Vergangenheit gelernt: Mit den meisten gläubigen Menschen kann man nicht sachlich diskutieren. Sie sehen jede Kritik an der Kirche oder an dem Glauben als einen Angriff auf sich selbst. Ich wurde angegangen, von meiner eigenen Familie. Nur weil ich nicht alles akzeptieren kann. Weil ich eine selbstständige und unabhängige Frau bin, die ein einfaches "Das ist halt so." oder "Andere sind auch nicht besser." nicht einfach hinnehmen kann. Denn genau diese Aussagen sind keine Entschuldigung.

Aber ich habe den Mut gefunden, diese Rezension trotzdem zu veröffentlichen, weil es mir wichtig ist und weil es für jeden wichtig sein sollte. Ich selbst bin katholisch aufgewachsen, wurde getauft, bin zur Erstkommunion und zur Firmung gegangen. Ich war in einem katholischen Kindergarten, war Messdienerin und auf einer katholischen Privatschule und genau dieser Schule verdanke ich, wo ich jetzt stehe. Ich verdanke es meinem Religionslehrer in der Oberstufe, durch den ich erst gelernt habe, zu hinterfragen. Nicht einfach alles nachzuplappern und eigenständig zu denken, Fragen zu stellen und sich mit einfachen Antworten nicht abspeisen zu lassen.  Heute weiß ich, dass er wahrscheinlich dadurch seinen Job riskiert. Als Angestellter in einer kirchlichen Schule hätte er uns so etwas niemals beibringen dürfen, ja sogar nicht mal selbst denken dürfen, obwohl der Staat ihn bezahlt. Er hätte uns erzählen sollen, wie toll "Gott" doch ist. Kritik oder Zweifel? Selbstständig denkende Menschen? Nicht doch! So schrieb auch Papst Paul VI. 1968 zum 82. Deutschen Katholikentag in Essen eine Botschaft an die Gläubigen:

"Nicht wenige nehmen heute für sich die Freiheit in Anspruch, ihre rein persönlichen Ansichten mit jener Autorität kundzutun, die sie offensichtlich dem streitig machen, der von Gott dieses Charisma besitzt. Man möchte gern erlaubt wissen, daß jeder in der Kirche meinen und glauben kann, was ihm beliebt. Dabei bedenkt man aber nicht, daß nur der sich voll und ganz in den Dienst der Wahrheit stellt, der sich dem Lehramt der Kirche unterordnet." (Quelle: http://www.zeit.de/1968/37/die-linken-frommen-auf-dem-marsch/)

Einfach gesagt: Nur wenn du dich dem Papst und seinen Lehren vollständig unterordnest, bist du ein richtiger Katholik. Diese Haltung zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Kirche. Genau das hat mir das Brevier von Schauen wieder einmal bestätigt, mit eindrucksvollen und erschreckenden Beispielen von Theologen, die ihren Job und ihre Lehrerlaubnis verloren haben, weil sie es gewagt haben zu zweifeln und die kirchliche Lehre in Frage zu stellen.

Mein Relilehrer in der Oberstufe war der erste Lehrer, der eigene Meinungen nicht niedergemacht hat, solange man sie gut begründen konnte. Er war derjenige, der selbst auch Kritik am Christentum und besonders an der Kirche geäußert hat. Er war der erste, der mit verständlich gemacht hat, dass die Kirche nichts mit dem Glauben zu tun hat. Und dass man auch ohne die Kirche glauben kann. Zu Beginn der Oberstufe habe ich selbst schon nicht mehr geglaubt. Ich habe in der Oberstufe von der Erbsünde, der angeblichen Unfehlbarkeit des Papstes und noch viel mehr erfahren. Am Ende der Oberstufe wusste ich, warum ich nicht glauben sollte und warum ich die Kirche nicht unterstützen darf. Weil ich es nicht mit meinem Gewissen und meinem gesunden Menschenverstand, der nach Gerechtigkeit schreit, vereinbaren kann. Es hat etwas gedauert, aber nachdem ich von zuhause ausgezogen war, habe ich mir zum 20. Geburtstag den Kirchenaustritt selbst geschenkt. Es war ein befreiendes Gefühl, zum örtlichen Gericht zu gehen und ganz offiziell der Kirche den Rücken zu kehren, ein kleines Zeichen zu setzten, um zu sagen: Da mache ich nicht mehr mit. Ich unterstütze diese Kirche nicht mehr.

Ein Brevier oder Brevarium ist ein kurz gefasstes, eigenständiges Werk. Dabei ist der Titel Das Kirchenhasser-Brevier vom Autor Ulli Schauen absichtlich provokativ gewählt, denn aus Reihen der Kirche wird ihn sowieso keiner ernst nehmen. Es handelt sich bei diesem Buch nicht direkt um eine Kritik am Christentum, obwohl es dort auch viel zu kritisieren gibt, sondern um eine bewusst einseitig geschriebene Kritik an der Institution Kirche - sowohl an der evangelischen als auch der katholischen. Für jeden, den schon länger eine Aufzählung interessiert, was in Deutschland mit den beiden großen Kirchen falsch läuft, ist dieses Buch perfekt.

Anders als der Titel vermuten lässt, schreibt Schauen sehr sachlich, mit Quellen belegt und frei von jeglichem Hass. Mehr ist auch gar nicht nötig, denn der Inhalt und die anschaulichen Vergleiche und Gedankenspiele sprechen für sich. Kurz gesagt: Die Taten und Ansichten der Kirchen sprechen für sich. Es handelt sich um eine Mischung aus Recherchearbeit, Einzelschicksalen und eigenen Erfahrungen, bei denen man am Ende einfach nicht mehr weg schauen kann.

Das Thema, das sich dabei wie ein roter Faden durch das gesamte Buch zieht, ist die fehlende konsequente Trennung von Kirche und Staat.

Das besondere an den Kirchen ist, dass sie sich als soziale Wohltäter verkaufen, während den Großteil davon der Staat (und nicht nur die Kirchenmitglieder!) zahlt. Dass sie "kirchliche" Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser und Altenheime kontrollieren, aber nur einen Bruchteil davon bezahlen - fast alles davon zahlt nämlich der Staat. Dass sie über zwei Millionen Arbeitnehmer in Deutschland nach ihrem eigenen kirchlichen Arbeitsrecht beschäftigen, aber diese meist auch vom Staat bezahlt werden. Und unter diesem Arbeitsrecht möchte ich nicht arbeiten. Es hat den Arbeitgeber nichts anzugehen, was ich denke oder glaube. Oder ob ich nochmal heirate oder nicht. Oder ob ich aus der Kirche austrete oder nicht. Der gesunde Menschenverstand sagt mir, dass das nichts mit meiner Arbeit als Arzt, Erzieherin, Elektriker oder einem anderen Job zu tun hat. Manche haben aber keine Wahl. Die Kirche dominiert immer mehr als Arbeitgeber und reißt sich immer mehr Einrichtungen unter den Nagel, in denen sie dann ihre Gesetzgebung diktiert. Und der Staat unterstützt das noch.

"Das gefährdet die Religionsfreiheit, denn zu dieser gehört auch das Recht, keiner Kirche anzugehören oder aber eine nichtchristliche Religion zu haben -  und trotzdem mit den gleichen Berufschancen als Krankenschwester, Sozialarbeiter oder Erzieher zu arbeiten." (Das Kirchenhasser-Brevier)

Ich wusste zwar davon und es hat mich schon vorher aufgeregt, aber die Tragweite und das Ausmaß waren mir vorher nicht bewusst. Außerdem gibt es Verträge der Kirchen mit dem Staat Deutschland, die ihnen allerlei Rechte einräumen (ohne überhaupt eine Gegenleistung zu erbringen). Kirchen haben eine eigene Gesetzgebung, eigene kirchliche Gerichte, müssen keine Erbschaftsteuer zahlen, bekommen vom Staat jede Menge Geld und dürfen jede Menge kontrollieren. Und diese Verträge können nicht gekündigt werden. Man stelle sich vor, Deutschland würde solche Verträge mit dem Islam abschließen. Der Aufschrei wäre groß. Genau dieses Gedankenspiel hat Schauen gemacht.

Von Schauen hätte ich mir etwas mehr von der Rolle der Frau und den Vergewaltigungsskandalen in den Kirchen erhofft. Letzteres wurde fast überhaupt nicht behandelt und zu den Frauen lieferte Schauen doch einige interessante Aspekte. Warum das Christentum zum Beispiel nicht besser ist als der Islam und Christen absolut nicht das Recht haben, mit drohendem Finger auf andere zu zeigen und sich zu beschweren.

Auch toll war das Kapitel über "christliche Werte" oder dem "christlichen Menschenbild". Oft wird nach den christlichen Werten des Abendlandes geschrien, dabei weiß niemand überhaupt, was damit gemeint ist. Oder verwechselt sie einfach mit europäischen Werten oder den Werten, die im deutschen Grundgesetz verankert sind. Das sind Werte, die von den Kirchen jahrhundertelang bekämpft wurden. Wenn also jemand sich für diese Werte rühmen möchte, dürfen es nicht die Kirchen sein.
Dass die Kirche sich als moralisch höher gestellt gibt, aber selbst nicht besser ist, das sorgt für Aufregung in diesem Buch.

Ein weiteres spannendes Kapitel handelte von dem Elend der Theologie und von dem Verbot, konsequent zu Ende zu denken. Am Rande sei bemerkt, dass die Kirche viele Professuren (und das nicht nur in der Theologie) bestimmt, also ein wichtiger Teil der Forschung in kirchlicher Hand ist. Es besteht ein "krasser Gegensatz zwischen wissenschaftlicher Lehre und Predigt". Und weiter:

"Dieselben Theologie-Professoren, die im Uni-Seminar lehrten, dass Jesus nicht von den Toten auferstanden sei, predigten den Gläubigen beim Universitätsgottesdienst das Gegenteil. Im Gottesdienst brachten die Theologen ihrer Gemeinde Abraham und Moses als reale Charaktere nahe, in den Vorlesungen hingegen referierten sie, dass Abraham gar nicht existiert habe und von Moses wenig mehr als sein ägyptischer Name bekannt sei. Für alle, die Theologie studieren, sind solche Aussagen ein alter Hut [...]."

Das hat gesessen. Und er hat Recht. Wenn man selbst nur ein bisschen sucht, findet man die ganzen Belege dafür. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber ein weiteres Zitat muss ich euch noch nennen:

"So gut wie alles, was die Gemeinde, ob katholisch oder evangelisch, jeden Sonntag in Messe und Gottesdienst als Glaubensbekenntnis spricht - Jungfrauengeburt, Auferstehung, Gottessohnschaft, Dreifaltigkeit - ist mit den Erkenntnissen der historisch-kritischen Forschung nicht vereinbar."

Ich wurde indoktriniert. Alle Kinder, die religiös erzogen werden, werden indoktriniert. Religionsunterricht indoktriniert. Normalerweise lernt man in der Schule, Tatsachen. Mathe, Deutsch, Erdkunde, Physik, ... alles Dinge, die auf Tatsachen beruhen. Bis auf Religion. Im katholischen oder evangelischen Religionsunterricht lernt man, wenn man nicht gerade wie ich das Glück hatte, in der Oberstufe einen guten Lehrer zu bekommen, Christen = gut. Alle anderen = schlecht. Man lernt, als ob die Bibel ein Geschichtsbuch wäre, als ob sie auf realen Tatsachen beruhen würde. Man lernt, dass es Gott gibt und nicht dass manche Leute glauben, dass es einen Gott gibt. Gott wird als real dargestellt und nicht als eine unsichtbare Phantasiefigur. Warum glauben wir? Weil uns unsere Eltern, die Menschen in unserer Umgebung erzählen, dass es so ist. Nicht weil wir von alleine darauf gekommen sind.

Was bleibt am Ende von der Kirche übrig? Was unterscheidet die Kirche noch von einer Sekte? Also wenn ich Sekte google, dann sagt mir Google, dass eine Sekte "eine Glaubensgemeinschaft [ist], die im Gegensatz zu den großen Religionsgemeinschaften relativ wenig Mitglieder hat." Weiter später stößt man darauf, dass eine Sekte eine Gemeinschaft ist, deren Ansichten abwegig sind und deren ethnischen Grundwerte der Gesellschaft widersprechen. Die Kirche verstößt gegen die Grundrechte, ist gegen die Meinungsfreiheit, gegen körperliche Unversehrtheit, gegen das Gleichbehandlungsgesetz und noch viel mehr. Die Kirche ist eine große Sekte.

Was macht man nun mit dem Wissen? Wegsehen und so tun, als ob nichts gewesen wäre? Als ob man nichts Neues erfahren hat? Weiter schön brav Kirchensteuer zahlen und in seiner eigenen, kleinen Fantasiewelt leben, in der alle schön in Ordnung ist? In der die Kirche "sozial" ist?  Oder austreten, ein kleines, aber dennoch starkes Zeichen setzen. Ich habe es gemacht.

Wer immer noch nicht überzeugt ist, sollte dieses Buch lesen.


Vielen Dank an Heyne für das Rezensionsexemplar!