Rezension || Amalthea von Neal Stephenson


Titel: Amalthea
Originaltitel: Seveneves
Autor: Neal Stephenson

Seitenanzahl: 1056
Erschienen: 09.11.2015
Verlag: Manhattan
Übersetzung: Nikolaus Stingl, Juliane Gräbener-Müller

Genre: Science-Fiction, Erwachsenenbuch
Themen: Weltuntergang

gelesen: Dezember/Januar 2015/16 als eBook und als Rezensionsexemplar (gebunden)




Klappentext

Der Mond explodierte ohne Vorwarnung und ohne erkennbaren Grund. Die Uhrzeit würde man später als A+0.0.0 oder schlicht Null bezeichnen …
05:03:12 Weltzeit. Die Stunde Null. Nach der Explosion des Mondes wütet über Jahrtausende ein Meteoritensturm, der die Erdoberfläche in eine unbewohnbare Wüstenei verwandelt. Um die Menschheit vor der Auslöschung zu bewahren, schickten die Nationen der Erde eine Flotte von Archen ins All. Der Asteroid Amalthea, der ursprünglich zu Forschungszwecken an eine internationale Raumstation angedockt worden war, soll der Kolonie als Schutzschild dienen. [...gekürzt]

Wenn ihr das Buch lesen möchtet, lest nicht den vollständigen Klappentext!


Erster Satz



Meine Meinung

Idee
Bei diesem Buch war es eindeutig die Idee, die mich zum Lesen verleitet hat. Der Mond explodiert und dann? Die Menschen müssen damit klar kommen, müssen sich auf den Weltuntergang einstellen, denn die Folgen der Explosion haben Wissenschaftler erst nach einigen Tagen begriffen - wertvolle Zeit, die man benötigt hätte. Ich habe euch mal den Klappentext gekürzt, denn der ursprüngliche Klappentext war einfach eine Zusammenfassung des Buches und damit eigentlich ein einziger riesiger Spoiler. Warum wird so etwas gemacht? Ich hatte mal wieder Glück, dass ich den Klappentext einmal gelesen habe, das Buch auf meine To-Read-Liste gesetzt habe und vor dem Lesen den Klappentext nicht nochmal angeschaut habe (und schon wieder vergessen hatte). Aus diesem Grund waren einige Wendungen, die der Klappentext schon verraten hätte, für mich neu und haben die Spannung gesteigert.
Charaktere
Das Buch gliedert sich in drei große Teile, eine wirkliche Kapitelaufteilung gibt es aber ab der Hälfte des Buches nicht mehr. Um nicht zu viel zu verraten, beziehe ich mich bei den Charakteren nur auf den ersten Teil. Dinah ist die Tochter von Rufus MacQuarie, der eine Bergbaufirma mit einer Mine in Nordalaska betreibt. Sie ist auf der Internationalen Raumstation ISS, die liebevoll "Izzy" genannt wird, stationiert, um den Asteroidenbergbau zu erforschen. Den Oberbefehl über Izzy hat Ivy Xiao, deren Verlobter Cal bei der US Navy Commander eines U-Boots auf der Erde ist. Seine oberste Chefin ist sozusagen die Präsidentin der Vereinigten Staaten, Julia Bliss Flaherty (J.B.F.). Die Folgen der Explosion werden von dem Wissenschaftler Dr. Dubois Jerome Xavier Harris ("Doob", "Doc Dubois", "Dr. Harris") untersucht, einem kanadischen Schwarzen, der mit seinem Wissen und seinen Berechnungen eine zentrale Rolle spielt.
Wie ihr sicherlich merkt, handelt es sich um eine ganze Menge von Personen, die man sich alle, so gut wie es geht, merken sollte, denn eigentlich alle spielen noch in irgendeiner Form eine Rolle und kommen im Verlauf des Geschehens nochmal vor. Genauso sollte man sich mit dem vollen Namen der Personen vertraut machen, denn sie werden von Zeit zu Zeit unterschiedlich genannt, mal mit Vor-, dann mit Nachnamen und mal mit Spitznamen. Es handelt sich also um ein Buch für aufmerksame Leser.
Schreibstil
Das Buch ist für ein anspruchsvolles, gebildetes und erwachsenes Publikum geschrieben. Es kommen einige Ausdrücke der Ingenieurwissenschaft vor, was mir als angehende studierte Elektroingenieurin natürlich gefallen hat. Aber keine Angst: Auch ohne elektrotechnisches Hintergrundwissen, lässt sich das Buch problemlos lesen. In der Hinsicht hat es mich an Der Marsianer erinnert, indem ebenfalls wissenschaftliche Sachverhalte einfach zu verstehend beschrieben wurden. Anders sieht es mit dem Vokabular aus: Hier sollte man wirklich ein breites Allgemeinwissen und den Willen, sich weiterzubilden haben. Ich habe bei diesem Buch so viele neue Wörter und Ausdrücke gelernt! Oder wisst ihr, was Amniozentese, Carte blanche, Pyrrhussieg, Kataklysmus, aufs Tapet bringen, cum grano salis und Tour de force bedeuten? Und das waren nur wenige der Wörter. Ich habe die meisten nachgeschaut und das hat das Leseerlebnis deutlich verbessert. Das Buch ist also eine super Chance sein Wissen an Fremdwörtern zu erweitern.
Umsetzung
Ich habe mit dem Buch bestimmt drei Mal angefangen. Einmal als Printbuch, dann als eBook und dann nochmal als Hörbuch. Es hat etwas gedauert, bis es mich gepackt hat, aber nach den ersten zwanzig, dreißig Seiten war es dann soweit und ich war vollkommen gefangen. Wie bereits oben erwähnt ist das Buch in drei große Teile geteilt. Davon waren der erste und der zweite richtig gut. Es war spannend, es gab ein paar kleine und unerwartete Überraschungen und das Lesen hat einfach nur Spaß gemacht. Man könnte es sich wie einen guten Science-Fiction-Film vorstellen. [Und ich hoffe insgeheim, dass dieses Buch mal irgendwann verfilmt wird.] Die Ausarbeitung der Charaktere hat mir wirklich gut gefallen, besonders die Beziehungen untereinander. Es wird eigentlich kein Charakter vorgestellt, der daraufhin gleich wieder stirbt, sondern hier wurde sich auf das Wesentliche konzentriert. Die Charaktere entwickeln sich auch mit der Zeit, verändern ihre Persönlichkeit. Das mit anzusehen war besonders spannend. Leider hat der dritte Teil dann etwas geschwächelt und während die ersten beiden Teile nur so dahin geflogen sind, hat der dritte Teil für mich keine wirklichen Überraschungen mehr geboten. Das mag größtenteils am Klappentext liegen. Ja, er war interessant, aber er steht im Schatten der beiden starken ersten Teile.
Gestaltung
Das Buch ist wunderbar gestaltet. Die Bilder im Einband auf der ersten und letzten Seite haben mir besonders gut gefallen. Das erste Bild seht ihr unten. Daneben gibt es auch mitten im Buch nochmal eine Seite mit zwei Bildern, wobei ich bei dem einen noch nicht so ganz verstanden habe, was es darstellen soll. Hier wäre eine Beschriftung gut gewesen. Außerdem hätte ich mir noch ein Bild von Izzy um den Tag 700 gewünscht, denn mit der Zeit wurde es immer schwieriger, sich die ganze Raumstation vorstellen zu können. Das Cover gefällt mir sehr gut, denn es passt zu der Thematik. Erwähnenswert ist auch das praktische Lesebändchen.
Bewertung
Bei Amalthea von Neal Stephenson handelt es sich um einen erstklassigen Science-Fiction-Roman, wie man ihn sich nur wünschen kann. Der erste und zweite Teil waren meiner Meinung nach die stärksten, die mich auch gefesselt haben. Der dritte Teil hat leider etwas geschwächelt, was die Spannung angeht. Besonders der Klappentext ist alles andere als gut gelungen, da er eigentlich eine reine Zusammenfassung des Buches ist und viel vorweg nimmt, was für einige überraschende Wendungen sorgen könnte. Trotzdem: Eine absolute Leseempfehlung! Mit einem über 1000 seitigen Buch wird einem hier eine tolle Geschichte präsentiert. Falls ihr ein Science-Fiction-Fan seid und die Weltuntergangs-Thematik liebt, dürft ihr euch das Buch nicht entgehen lassen!
Meine Bewertung:
4.5/5 ♥♥♥♥♥

Quelle: klick
Die Internationale Raumstation "Izzy" um die Stunde Null.


Original-Cover

Das Buch heißt im Amerikanischen "Seveneves" und bezieht sich damit anders als "Amalthea" auf eine Stelle, die viel später im Geschehen angesiedelt ist, aber um einiges bedeutender. Dafür klingt "Amalthea" im Deutschen einfach besser als "Die sieben Evas". Das deutsche Cover finde ich übrigens um einiges schöner und basser als das amerikanische, das aber auch nicht schlecht ist :)


Vielen Dank an Manhattan für das Rezensionsexemplar!

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